Knigges-Erben

Ein Rückblick auf das Benimm-Seminar der Nachwuchsführungskräfte in Heidelberg

Die Gabel in der linken, das Messer in der rechten Hand. Beim Eintritt in das Restaurant die Tür aufhalten, Älteren im Zug eine Platz anbieten, pünktlich sein. Grundregeln, die jeder kennt und einen selbst als höflich und zuvorkommend - also in einem positiven Licht – erscheinen lassen. Glaubt man allerdings der Umfrage des Meinungsinstitut „YouGov“ aus dem Jahre 2015 sind sich die Deutschen einig, dass man  früher höflicher miteinander umgegangen sei.

Der Vorteil: Menschen, die privat und in der Geschäftswelt Fettnäpfchen gekonnt umgehen, machen positiv auf sich aufmerksam. Maximilian von Düring, Coach, Dozent und Trainer, ist ein echter Benimm-Profi und weiß, wie wichtig gutes Benehmen in der Geschäftswelt ist. „Der erste Eindruck ist entscheidend“, erklärt er und versucht das auch den Nachwuchsführungskräften im Seminar in Heidelberg weiterzugeben. Gleich zu Beginn erklärt von Düring, worauf es aus seiner Sicht für ein erfolgreiches Miteinander ankommt. Für stilvolles und authentisches Benehmen reicht es nämlich nicht aus, Etikette-Regeln auswendig zu lernen. Vielmehr sollte jeder sein eigenes „Wofür“ kennen. Mit der eigenen inneren Strahlkraft kann so eine positive Sogwirkung erzeugt werden, die sich auf Mitglieder und Interessierte beziehungsweise das gesamte Umfeld auswirke. Maximilian von Düring jedenfalls steckt mit seiner eigenen Strahlkraft die Teilnehmende sofort an.

Vom Grüßen und Begrüßen

Danach geht es schnell ans Eingemachte: Auf dem Stundenplan stehen Grüßen und Begrüßen, „Small Talk“ und Stolperfallen zu Tisch. Denn in der Tat ist schon das Hände schütteln gar nicht so einfach, wie man vielleicht allgemeinhin annimmt: Wer reicht wem die Hand, wie lange und wie fest drückt man, was macht man währenddessen? Und: Was macht man, wenn man einen Fehler begangen hat. Von Düring hilft gern. Seine Devise: „Ruhe bewahren und auf das Bauchgefühl hören“, denn es passiert oft genug, dass sich der Gegenüber nicht an die Regeln hält. Wichtig sei der Händedruck. „Keiner möchte einen toten Fisch anfassen“, weiß von Düring und testet bei allen Teilnehmenden einen festen Händedruck, der seinem Gegenüber Respekt vermittelt. 

Zum Mittagessen wartet bedrohlich ein Tisch, der mit allerlei Besteck belegt ist. Von Düring erklärt die Basics: Die Arme gehören nicht auf den Tisch, die Serviette liegt mit der offenen Seite auf den Beinen und das Weinglas wird am Stiel angefasst. Die Nachwuchsführungskräfte haben sichtlich Spaß dabei und korrigieren sich gegenseitig. Beim stilvollen Benehmen scheint es ähnlich wie sonst im Leben: Auf die richtige Dosierung kommt es an - und wenn man mal gar nicht weiter weiß, hilft der Blick auf den Nachbarteller. Auch die Teilnehmenden lernen schnell, dass es nicht um die genaue Einhaltung von Richtlinien geht, sondern eher um Grundlegendes. „Vieles weiß man schon, aber das Auffrischen schadet nicht“, sagt Lina Neumair.

Hürde „Small Talk“

Ist der erste Eindruck gemacht, folgt im Leben meist direkt die nächste Hürde. Das Szenario: Eine Feier mit Geschäftspartnern, Ehrenmitgliedern und Bekannten. „Small Talk“ ist angesagt. Welche Themen funktionieren und wie findet man leicht Anschluss? Auch hier lernen die Nachwuchsführungskräfte, wie sie geschickt Fettnäpfchen umfahren können. Diese lauern oft bei Politik, Religion, Krankheiten, tragischen Ereignissen und Geld. Besser kommen Themen wie Urlaub, Freizeit oder - gerade im Sport – die Bundesliga und größere Sportereignisse an.

Und natürlich das Wetter. Das Rezept: „Weltmeister des Beobachtens“ werden. Wer sich öffnet, gut zuhört und auf das Gesagte seines Gesprächspartners eingehen kann, gewinnt. Von Düring erklärt, dass man auch so schnell vom flachen „Small Talk“ zum tiefgründigen „Big Talk“ gelangt. Die beste Übungswiese für die Nachwuchsführungskräfte bieten die Pausen des Frühjahrsseminars, um das Gelernte direkt in die Tat umzusetzen. Am Ende des Tages haben die Teilnehmenden viel gelernt. Von Gestik, Mimik, Sprache und Small Talk, wie sie auf andere wirken und was sie für Möglichkeiten haben, um positiv aufzufallen. Wer vorher noch etwas Unbeholfen auf dem „großen Parkett“ umherirrte, ist jetzt sicherer und kennt die Antworten für stilvolles Auftreten in beinahe jeder Lebenslage.

Von Düring ging hervorragend auf die Wünsche der Teilnehmenden ein und vermittelte den jungen Nachwuchsführungskräften nicht nur eine Bandbreite an Tipps für richtiges Benehmen, sondern gab vor allem Denkanstöße für das eigene „Sein“ und wie das eigene Verhalten für ein wertschätzendes und achtsames Miteinander gestaltet werden kann.