Gesellschaft der Zukunft – Wie positioniert sich der FK-Verein?

Herbstseminar in Baunatal 2017

Das Herbstseminar des Freiburger Kreises hat in diesem Jahr eine große Nachfrage verzeichnen können. Fast 180 Teilnehmer aus 71 Vereinen trafen sich vom 19. bis zum 21. Oktober 2017 beim KSV Baunatal in der Nähe des Mittelpunkts der Bundesrepublik. Boris Schmidt, Vorsitzender des Freiburger Kreises, äußerte in seiner Begrüßung und Einleitung des Seminars, dass das Thema Zukunft kaum Raum in der alltäglichen Arbeit in den Vereinen hätte und so Gedanken über innovative Entwicklungen kaum zu kreieren sind. So soll das Herbstseminar genutzt werden, um dieses zu thematisieren. Der Gastgeberverein wurde vom Vorsitzenden Timo Gerhold vorgestellt und dieser erhielt als erster der FK-Vereine eines der neuen FK-Schilder, das die Vereine als Zeichen ihrer Mitgliedschaft sichtbar anbringen können.

Unter dem Titel „Sport in der Stadtentwicklung. Chancen und Herausforderungen für FK-Vereine“ startete sogleich das Sportpolitische Forum.

„Man muss das Fachwissen der Sportvereine für die Stadtplanung nutzen.“

Beginnend eröffnete Stefan Thabe, Stadtplanung- und Bauordnungsamt der Stadt Dortmund, das Forum. Sein Vortrag: „Sport in der Stadtentwicklung – Chancen und Herausforderungen“ stellte aktuelle Herausforderungen in seinem Handlungsfeld vor. Thabe zeigte eine Vielzahl von Bereichen auf, die ihn in seiner Arbeit im Sinne der Stadt Dortmund beschäftigen. „Die Planung ist heutzutage ein Prozess“, veranschaulicht er den Zuhörern. „Innerhalb dieses Prozesses sei zunehmend die Moderation von Interessen und die Arbeit mit Menschen vordergründig.“ Die Zusammenarbeit von Stadt und Sportverein kann in diesem Prozess der Planung von Sportanlagen, Stadtentwicklung, Ganztagsschule, Image, Identifikation, Integration etc. zu gewinnbringenden Ergebnissen führen. „Man muss das Fachwissen der Sportvereine für die Stadtplanung nutzen“, so Thabe. Er verdeutlichte, dass Sportvereine und Stadtplanung in einigen Bereichen gleiche Interessen verfolgen und zusammenarbeiten sollten.

Wolfgang Schabert vom Institut für kooperative Planung und Sportentwicklung (ikps) übernahm. Das ikps bietet die Begleitung von Kommunen in sportpolitischen Entwicklungsprozessen an. Schabert fokussierte „Die Rolle des Sports in der Stadtentwicklung“ an zwei Beispielen. Auch hier zeigte sich, dass Sportentwicklungsplanung ein elementarer Teil der Stadtentwicklung ist. Ebenso verwies und appellierte er, wie Thabe, auf den Einbezug der Expertise des Sports. Im Beispiel wurde eine kooperative Planung innerhalb mehrerer Workshops mit Sportverein und Stadtplanern durchgeführt. Dieses sei eine hilfreiche Herangehensweise, da die Expertise des Sports lohnende Impulse in die Stadtentwicklungsplanung geben kann.

Weiter stellte Marion Weißhoff-Günther ein praxisnahes Projekt vor. Der Feuerwehrturm des TV Ratingen sollte ein vertikaler Spielplatz werden, um so einem ausgedienten Turm neue Nutzung zu geben. Auch hier müsse ein gemeinsamer Prozess beginnen, sodass alle Interessensgruppen dieses Projekt unterstützen. Damit stärkt Weißhoff-Günther das vorher Gesagte.

„Standard stirbt aus“

Anschließend nahm Zukunftsforscher Kai Gondlach die Zuhörer im Folgenden in seinem Vortrag „So leben und arbeiten wir in Zukunft“ auf eine Zeitreise mit. Sein Handlungsfeld beschäftigt sich mit der Analyse von Erneuerungen und Gedanken über dessen Folgen für die Zukunft. Und so richtete er sogleich den Blick in die Zukunft. Ein Video fesselte den Saal, das einen Ausschnitt des Lebens in zehn Jahren zeigte. Ein digitales Zuhause mit zahlreichen Helfern. „Das ist Zukunft, oder? … Das Gezeigte besteht aber schon heute“, so Gondlach und er ergänzte: „Zukunft ist heute.“ Und er macht den rasanten Fortschritt deutlich, dem wir ausgesetzt sind. „Veränderung passiert immer, jetzt nur schneller!“ Weiter mahnt er an: „Wir müssen lernen, die angelernten Dinge zu verlernen.“ In einer Welt, in der das Auto, Smartphone und Kleidung individuell geworden sind, muss es für Sportvereine heißen, dass weniger Standard nachgefragt werden wird. Es muss individuell und persönlich sein. Gondlach schließt seinen Vortrag mit dem Ausblick: „Die Zukunft ist ein ungeschriebenes Blatt Papier, in unserer Hand.“

Am Folgetag begann Prof. Dr. Jürgen Mittag vom Institut für Europäische Sportentwicklung und Freizeitforschung mit seinem Vortrag: „Der Sportverein der Zukunft: Trends, Szenarien und Perspektiven des organisierten Sports in Deutschland“. Unter der Betrachtung von Trends und Herausforderungen der kommenden Zeit führt Mittag den gesellschaftlichen Wandel an. Hieraus folgen eine Multioptionalität, bei der für jeden alles möglich scheint, eine Synchronizität, die mehrere Sachen zeitgleich passieren lässt sowie eine grenzüberschreitende Mobilität. In dieser Entwicklung bewegt sich der Sport mit neuen Herausforderungen. Zunehmende Konkurrenz durch erfolgreiche kommerzielle Anbieter, Trends im informellen Sport, der Ganztagsschule und neuen digitalen Angeboten wie E-Sports. Dabei stehen verminderte Ressourcen aus kommunalen Finanzen, in Zustand und Verfügbarkeit der Sportstätten zur Verfügung. Der demografische Wandel greift in die Mitgliederstruktur ein und die Ansprüche an die Organisation wachsen. Mittag macht weiter deutlich, dass die Sportvereine einer Vielzahl an Veränderungen gegenüber stehen und sich diesen Herausforderungen stellen müssen. In drei Zukunftsszenarien führt er an, dass sich der Sportverein von heute zum Ersten als Dienstleister für Sportangebote entwickeln kann. Zum Zweiten werde es Vereine geben, die zunehmend Kooperationen eingehen und Netzwerke und Strukturen bilden und diese an ihre vorhandenen angliedern. Zum Dritten kann es zur Transformation kommen. Der Sportverein als Multiorganisation hin zu einer unternehmensähnlichen Struktur mit Hauptamtlichkeit und erweitertem Angebot zu Ernährung, Kleidung, Gesundheit etc. Als Handlungsempfehlung stellt Mittag Thesen zur Diskussion vor, die im Anschluss an seinen Vortrag ausgiebige Beiträge und Fragen aus dem Plenum fanden.

Im Anschluss wurden die Teilnehmer aufgefordert Gruppen zu bilden, die in drei Workshop-Themen aufgeteilt wurden. Jede Gruppe durchlief die drei Workshops: 1. „Wie kommt der Verein zu Zielen und Strategie?“, 2. „Quartiersverein oder originärer Sportverein?“ und 3. „Angebote der Zukunft für FK-Vereine.“ Die Gruppen arbeiten in Arbeitsgruppen oder auch geführten Diskussionsrunden an den vorgegebenen Inhalten und stellten ihre Ergebnisse am Nachmittag innerhalb eines Markplatzes an Stellwänden aus. Hier zeigte sich die Ideen- und Meinungsvielfalt der Teilnehmenden. Die Ergebnisse sind, wie auch die Präsentationsfolien der Vorträge, innerhalb des internen Downloadbereichs auf der Homepage des Freiburger Kreises bereit gestellt.

Info-Börse und FK-Kennzahlensystem

Der Abschlusstag startete mit der Info-Börse und einem Einblick in das Nachwuchsführungskräfteseminar vom Vortag. Ritchie Ereš, Auszubildender von Eintracht Hildesheim, stellte die Inhalte des unter dem Titel „Öffentlichkeitsarbeit“ laufenden Seminars vor. Im Anschluss daran verwies Katja Lüke vom DOSB auf das Projekt des Inklusionsmanger. Weiter machte die TSG Bergdorf innerhalb der Info-Börse Werbung für ihr Jugendlager an der Ostsee und auch Timo Büssemaker vom TV Ratingen nutzte die Börse, um das digitale Sportförderprojekt zur Mitgliedergewinnung „Schnupperkurs.de“ vorzustellen. Im Folgenden stellt Friedrich Heintzemann vor, wie der KSV Baunatal Compliance im Verein eingeführt hat. Compliance beschreibt die Gesamtheit der Grundsätze und Maßnahmen eines Unternehmens zur Einhaltung bestimmter Regeln und damit zur Vermeidung von Regelverstößen in einem Unternehmen. Heintzemann betont, dass in einem solchen Vorhaben Führungskräfte Vorbilder sein müssen. Der KSV bietet seine KSV-Grundlage den FK-Vereinen an, um damit den Weg zu einer eigenen Compliance aufzunehmen. Kurzum nutze auch Frank Kunert vom Oldenburger Turnerburg die Info-Börse, um ein weiteres Thema anzubringen: das Alltagstrainingsprogramm (ATP). Das Programm basiert darauf Trainingsmethoden in den Alltag zu bringen. „Wir erreichen damit weitere Personen, die dem Sport sonst fern bleiben“, so Kunert. Kunert ruft alle FK-Vereine auf, dieses Programm auch für sich zu nutzen.

Abschließend zeigen Horst Lienig und Dr. Alexander Kiel FK-Vereine im Vergleich und bezogen sich dabei auf das FK-Kennzahlensystem (Zugang und Anmeldung über die FK-Homepage). „Umso mehr teilnehmen, desto repräsentativer sind die Daten“, vermerkt Kiel. Dieses System soll dazu dienen, die Branche vergleichen zu können. Der Aufwand, diese Werte jährlich zu aktualisieren, ist sehr überschaubar. Lienig führt das Thema weiter aus, indem er verdeutlicht, was mit den Daten aus dem Kennzahlen passiert. Alexander Kiel appelliert an die Vereinsvertreter das Kennzahlensystem zu nutzen und damit für sich selbst einen Gewinn zu erzielen.

Das diesjährige Herbstseminar schließt Boris Schmidt mit dem Verweis auf das kommende Seminar, das vom 19. bis 21. April 2018 in Hannover stattfindet. Der Gastgeber wird der Turn-Klubb zu Hannover sein.