Aktuelles

25.08.2015

Herbstseminar 2015 in Ludwigsburg

Kinder- und Jugendsport - Alleinstellungsmerkmal oder Auslaufmodell?

Die Organisation und Finanzierung des Kinder- und Jugendsports stehen im Mittelpunkt unseres Herbstseminars in Ludwigsburg vom 8. – 10. Oktober 2015.

Der Tagesablauf unserer Kinder und Jugendlichen wird wesentlich bestimmt durch die Schule. Ganztagsschule und G8 schränken die für die Freizeit zur Verfügung stehende Zeit erheblich ein. So sind die Angebote, die Freizeit zu gestalten, je nach Region und Stadt sehr reichhaltig oder auch sehr begrenzt. Den Kindern und Jugendlichen fällt es nicht leicht sich zu orientieren. Wir alle sind einem rasanten gesellschaftlichen Wandel ausgesetzt, der gekennzeichnet ist durch Differenzierung und Individualisierung, durch Globalisierung und Medialisierung.

Sport, Spiel und Bewegung im Sportverein ist immer noch die beliebteste Freizeitgestaltung unserer Kinder und Jugendlichen. Mit der Betonung auf „noch“.

Können Sportvereine die Wünsche und Bedürfnisse unserer Kinder und Jugendlichen erfüllen? Da ist es nun notwendig zu erfahren, inwiefern sich diese in der Gegenwart bzw. in der Zukunft verwirklichen lassen. Der überwiegende Teil unserer Jugendlichen sucht noch den Wettkampf, nicht so sehr die Freizeit- bzw. Trendsportarten. Doch wie viele haben sich dem intensiven leistungsorientierten Sport verschrieben, dem Nachwuchsleistungssport. Können unsere Vereine diesen Nachwuchsleistungssport überhaupt noch organisieren und finanzieren?

Doch nicht nur sie stellen Anforderungen an den Sportverein: Eltern, Kommune, Kooperationspartner. Sie haben teilweise unterschiedliche Vorstellungen von den Aufgaben, die Sportvereine übernehmen sollen oder können.

Berücksichtigen müssen die Vereine ferner gerade im Kindersport die Anforderungen und Wünsche der Eltern, die für ihre Kinder pädagogisch hochwertige Angebote fordern. Kommerzielle Anbieter sind in einigen Städten für die Vereine Konkurrenten.

Auch unsere Kooperationspartner, besonders die Schulen, stellen Ansprüche. Sie wünschen sich Angebote aus Spiel, Sport und Bewegung, die nicht immer mit den Angeboten des Vereinssports übereinstimmen und sich pädagogisch mit dem Schulprogramm vereinbaren lassen. Aber haben die Vereine das dafür notwendige Personal?

Wir werden diese Aspekte des Kinder- und Jugendsports am Freitag in Vorträgen und Workshops behandeln und diskutieren. Am Donnerstagnachmittag werden wir im FK-Talk insbesondere das Thema Nachwuchsleistungssport zur Diskussion stellen. Denn wir stellen fest, dass sich nur wenige FK-Vereine in den letzten Jahren dem Nachwuchsleistungssport gewidmet haben. Ein Thema, das gerade zur Zeit der Olympiabewerbung Hamburgs aktuell ist. Vertreter des DOSB und der Spitzenverbände, Trainer, Sportler und Vereinsfunktionäre diskutieren über die Möglichkeiten, Nachwuchsleistungssport in Vereinen zu organisieren und zu finanzieren.

Wolfgang Heuckmann

Alle weiteren Informationen zum Herbstseminar 2015

02.08.2015

Sportpolitisches Forum in Ratingen

Beim Frühjahrsseminar des FK am 7. Mai in Ratingen behandelte das sportpolitische Forum in drei Arbeitskreisen das Thema „Kooperationen als Mittel der Politikgestaltung der Sportvereine“.

Kooperationen werden von den Sportvereinen offenbar immer mehr als nützlich und notwendig eingeschätzt. Sportvereine arbeiten mit Organisationen aus dem eigenen Sektor, also anderen Sportvereinen, aber auch mit Einrichtungen aus ganz anderen Sektoren, wie etwa Schule, Kindergarten, Krankenkasse, Ämtern der kommunalen Verwaltung, Wirtschaftsunternehmen und kommerziellen Sportanbietern zusammen. Hier zeigt sich aufgrund ihrer Vielfalt und Vielschichtigkeit eine hohe „Anschlussfähigkeit“ der Sportvereine. Der Sportentwicklungsbericht macht deutlich, dass im Zeitraum von 2009 bis 2014 Kooperationen von Sportvereinen mit Einrichtungen aus den verschiedenen Sektoren bei der gemeinsamen Angebotserstellung als besonders intensiver Form der Zusammenarbeit erheblich zugenommen haben.

Offensichtlich eignen sich aus Sicht der diskutierenden Sportvereinsvertreter Kooperationen als Mittel für zahlreiche Zwecke, wie die angeführten Beispiele veranschaulichen.

Kooperationen Sportvereine mit Ganztagsschule

  • Etablierung als Partner in der lokalen Bildungslandschaft
  • Mitglieder gewinnen / bewahren
  • Talente entwickeln
  • Sportstättenkapazität sichern

Kooperationen Sportvereine mit anderen Sportvereinen

  • Angebotsergänzungen
  • gemeinsame Jugendveranstaltungen
  • gemeinsames Veranstaltungsmarketing
  • sportliche Interessengemeinschaft im Wettkampfsport
  • Ressourcenbündelung
  • Einkaufsgemeinschaften
  • gemeinsame politische Interessenvertretung in Kommune

Kooperationen Sportvereine mit kommerziellen Organisationen

  • Angebotsausweitung
  • freie Ressourcen nutzen
  • Mitgliedergewinnung
  • Service für Vereinsmitglieder
  • Netzwerkbildung
  • Verbesserung Status des Vereins in der Gemeinde

Fasst man die vielfältigen genannten Gründe für eine Partnerschaft zusammen, so geht es insbesondere um

  • Komplementarität
  • wechselseitigen Austausch
  • Erzielung von Legitimation
  • Effizienzverbesserung /Synergieeffekte
  • Ressourcennutzung/Pooling
  • Existenzsicherung
  • Positions-/Einflusssicherung und –verbesserung

 

Als wichtige Bedingungen für das Eingehen von Partnerschaften und deren erfolgreiche Gestaltung kristallisierten sich heraus:

Vertrauen und Verlässlichkeit
Beide bilden eine entscheidende Basis für eine Zusammenarbeit und nicht zuletzt auch für deren Nachhaltigkeit. Kooperation ist immer auf Gegenseitigkeit gestützt. Sie kommt nur zustande und wird nur aufrechterhalten, wenn man sich auf Gegenseitigkeit verlassen kann.
Ziele teilen
Die Interessen müssen vereinbar sein, und es muss ein beidseitiges Interesse bestehen. Alle Beteiligte sollen von der Partnerschaft profitieren. Es gilt eine Balancierung des eigenen Nutzens mit dem des Partners zu erreichen. Im Umgang miteinander sind Offenheit und Transparenz unabdingbar. Ein klar strukturiertes, passendes Konzept mit konkreten, realistischen Vorstellungen zur eigenen Rolle und zum angestrebten Mehrwert ermöglicht die Abstimmung mit den Erwartungen des Partners. Dann zeigt sich, ob die Kooperation die geeignete Lösung für den angestrebten Zweck darstellt und welche Chancen und Risiken damit verbunden sein können.
Naheliegende Kooperationsvoraussetzungen bieten Einrichtungen mit Arbeitsschwerpunkt im Bereich Gesundheit, Soziales, Bildung.
Partnerpassung
Partner müssen die Fähigkeit zur Zusammenarbeit mitbringen. Dazu zählen zum einen die grundsätzliche Offenheit für und der Wille zu Kooperationen und zum anderen die erforderlichen sächlichen und personellen Ausstattungen. Bei der Suche nach dem passenden ergänzenden Partner sollte der Verein auch über den Tellerrand der eigenen Kommune hinausschauen.
Partnerpassung bedeutet zudem, bestimmte Kooperationen auszuschließen und sich dadurch zugleich der eigenen Identität, Wertebasis und Vereinsphilosophie bewusst zu werden.
Kooperationsmanagement
Es ist keine direktive Einflussnahme auf die Arbeitsweise des anderen möglich, denn es herrscht Gleichheit zwischen den Partnern. Die Beziehung gründet nicht auf Rolle und Funktion in einer Hierarchie. Kommunikation gehört daher zu den Erfolgsbedingungen einer Partnerschaft. Nicht nur für die Kooperationsanbahnung, wenn etwa ein Sportverein auf eine Ganztagsschule zugeht, ist Kommunikation von zentraler Bedeutung, sondern sie spielt eine wesentliche Rolle für die Pflege der Beziehungen einschließlich der Konflikthandhabung während der gesamten Zeit der Zusammenarbeit. Zumal Kooperation vom Einsatz der beteiligten Personen für die Sache lebt. Gerade auch, weil Kooperationen zwischen Organisationen von Personen mit ihren Präferenzen, Intentionen und Qualitäten gestaltet werden, sollten Vereinbarun- gen zwischen den Partnern zur Vermeidung von Erwartungsenttäuschungen und Missverständnissen klar festgehalten werden. Die Ausgestaltung der Vereinbarungen kann von informell bis stark formalisiert reichen. Wenn gesetzliche Vorgaben bestehen und finanzielle Auswirkungen gegeben sind, wird eine Formalisierung notwendig.

Als Fazit lässt sich feststellen: die Vereinsvertreter teilen die Auffassung, dass die Zukunftsfähigkeit von Sportvereinen in immer stärkerem Maße davon abhängt, dass sie vor Ort - auch und gerade über den Sport hinaus – vernetzt sind und über ein breites Kooperationsnetzwerk verfügen.

In Partnerschaften bilden sich die neuen Formen der Gestaltungsbeteiligung und Verantwortungsteilung in den Kommunen. Allerdings sollten die Mitgliederinteressen nicht aus dem Blick geraten.

Georg Anders

20.05.2015

Wertschöpfung durch Wertschätzung

Geld ist nicht alles bei der Mitarbeiter-Pflege – Spannendes Frühjahrsseminar-Thema in Ratingen

„Wertschöpfung aus der Wertschätzung nicht aus der Ausnutzung“, so lautete die Botschaft von Bodo Janssen auf die Frage „Entlohnung im Verein –ist Geld alles?“ Sie bewegte einen Arbeitsschwerpunkt beim Frühjahrsseminar des Freiburger Kreises (FK) beim TV Ratingen, der 2015 den 150. Gründungstag feiert. Janssen (41), nahm die Vereinsvertreter mit auf den ungewöhnlichen „Upstalsboom Weg“. Der Geschäftsführer der gleichnamigen Hotel- und Ferienanlagen GmbH (50 Ressorts, 650 Mitarbeiter, 350.000 Gäste) beschrieb seinen Weg vom Saulus (Manager von Zahlen, Daten, Fakten) zum Paulus (Menschenfischer und Motivator). Preisgekrönt und weltweit ein Leuchtturm. Seit der Wende 2010 steht der Mensch und Mitarbeiter sowie die Wertschöpfung seiner Fähigkeit im Mittelpunkt des unternehmerischen Handelns.

Die Führungsdienstleistung des Führungspersonals sieht Janssen darin „jeden einzeln entsprechend seiner Fähigkeiten zu entwickeln“. Wer nur mit Zahlen operier, „das führt zu Frust, das macht keinen Sinn mehr.“ Sinnorientierte Regie „das schafft die Verbundenheit.“

Die miese Stimmung im Unternehmen („Wir brauchen einen neuen Geschäftsführer“) hat sich gedreht. Ein gemeinsam erarbeitetes und gelebtes Leitbild erzeugt Dynamik, Spaß und Motivation. „Werte sind wertlos, wenn sie nicht gelebt werden.“ Mit dem Strategie-Wechsel schaffte es Janssens Unternehmen 2014 unter die besten Fünf in Deutschland. Zu den ungewöhnlichen sinn- und identitätsstiftenden Maßnahmen gehören der Bau einer Schule für 200 Kinder in Ruanda durch Upstalsboom-Mitarbeiter und zwei freie Tage im Jahr für die Belegschaft zur Sozialarbeit.

Die Dynamik lebt der Chef vor, nicht nur in einem preisgekrönten Film über diese Ausnahme der Unternehmenskultur (https://www.youtube.com/watch?v=WpssQiPJx08). 2016 möchte er mit einer Gruppe von 15 Auszubildenden den Kilimandscharo in Afrika erklimmen. Aufmerksamkeit und Lebensschule „weil sie unsere Zukunft sind.“ All das schafft Verbundenheit und Identifikation.
„Nur wer sich selbst führen kann, kann andere führen“, hat Janssen verinnerlicht. Selbstfindung meint auch verbinden, mitgestalten, wachsen, „Wenn ich einen Menschen bewegen möchte, dann berühre ich ihn.“ Dazu gehört Achtung, Herzlichkeit, Lebensfreude, Spaß. Das wiederum schafft Identifikation und Loyalität. Janssen, zwei Jahre gecoacht bei Seminaren im Benediktiner-Kloster und von Fachleuten und Unternehmensberatern, gab einen Einblick in Belohnungs- und Wertschätzungs-Strukturen, die nachdenklich stimmte.

Zuvor beschrieb Elke Lang (Fokus Ehrenamt, Berlin) die sensible Balance des Ausgleichs für Engagement im Haupt- wie im Ehrenamt. „Ausgleich ist gar nicht so einfach.“ Mit der Übergabe eines Blumenstraußes oder einer Ehrennadel ist es nicht getan. Es kommt auf die Haltung und Wertschätzung an, konstruktive Kritik, persönliches Lob. Aber auch die Anerkennung der Ausgleichsverpflichtung durch Vorgesetzte und Arbeitgeber entwickelt gedeihliches Klima. „Es ist anspruchsvoll, die richtige Ausgleichsleistung zu finden.“ Dabei spielt Geld oft nicht die Hauptrolle: Die Dankeschönfeier, mit einem werthaltigen Essen, Vergünstigungen im Alltag, menschliche Regungen der betreuten Gruppe sind für Ehrenamtliche oft mehr wert als Geld. Die Währung heißt Anerkennung, Lob und Interesse und Rückendeckung im Alltagsgeschäft. Häufig ist die Vergütung von gemeinnütziger Tätigkeit contraproduktiv, weil es der Scheck nicht schafft, dem Menschen gerecht zu werden. Elke Lang: „Sie bringt eine Verpflichtung in die Beziehung.“

Eine Kultur der Anerkennung drückt sich auch im Einsatz der Mitarbeiter ihren Fähigkeiten entsprechend aus, in guten Rahmenbedingungen und bei Hauptamtlichen durch Rücksicht auf existenzielle Bedürfnisse. „Eine Kultur der Anerkennung entwickelt sich dann, wenn alle Beteiligten einen Beitrag zum Ausgleich leisten.“

Andreas Kübler, Geschäftsführer von Kübler Sport in Backnang und einer der Sponsoren des FK, schilderte praktische Komponenten von Belohnung: Täglich frisches Obst und Wasser für die 40 Mitarbeiter, zwei Betriebsfeiern im Jahr, 14-tägig Betriebssport (20 Minuten Arbeitszeit), flexible Arbeits- und Rahmenbedingungen, Entgelt-Optimierung durch steuerfreie Zuwendungen: Tankgutscheine, Einkaufskarte, Übernahme der monatlichen Mobiltelefon-Gebühren, Werbeflächen auf dem Privatauto. All diese Boni, die unter dem Strich nicht die Welt kosten, stärken das Wir-Gefühl und die Bindung zur Firma.

In den drei Arbeitsgruppen offenbarte sich, dass die Großvereine eine andere Lebenswirklichkeit bewegt. Sie haben dennoch eine Vielzahl von Schritten und Ideen in der Praxis entwickelt, um die oft Hundertschaften von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter und Tausende Mitglieder zu pflegen und zu motivieren.      
Kühne Gedanken sind eine Wohlfühl-Oase im Verein, um stundenweise abzuschalten. Ein Null-Bock-Tag, Coaching und Fortbildungen für alle Beschäftigten, ein Helferclub oder auch ein Arbeitsplatztausch auf Zeit für das Personal.

Die wichtigste Motivation ist das persönliche Gespräch, zeitnah aufmunternde Worte - eben das Gefühl, dass die Arbeit geschätzt und der Mitarbeiter von den Führungskräften wahrgenommen wird.     

Von Hans-Peter Seubert

10.05.2015

TV feiert mit dem Freiburger Kreis und Hahnenschrei Die Gesangsgruppe der Roten Funken Ratingen

Vom 7.-9. Mai fand beim TV Ratingen das Frühjahrsseminar des Freiburger Kreises statt. Zum Schwerpunktthema „Entlohnung im Verein – ist Geld alles?!“ erschienen 131 Teilnehmer, die sich nicht nur über die neuesten Entwicklungen im Vereinsmanagement austauschten, sondern auch ein wenig zu feiern wussten.

zum Video