Das eigene Leitbild zeitgerecht aufarbeiten, ist Voraussetzung für vernünftiges Politik-Management. Im Wettbewerb um politische Aufmerksamkeit heißt die Parole: Weniger Dienstleistung, der Mehrwert des Vereins, gesellschaftspolitische Integration und der gesellige Faktor sind gefragt. Zwei Entwicklungen verstärken sich auf Vereinsseite: Die Generation
der Vielämtler mit Funktionen in Sport, Politik und anderen Organisationen stirbt aus. Die Schar der Geschäftsführer in Großvereinen, die zu hauptamtlichen Vorsitzenden aufsteigen, wächst. Ihnen bleibt angesichts der Aufgabenfülle im Tagesgeschäft kaum Spielraum und Muße, in ihrer Freizeit auch noch Politik zu gestalten.
Regelmäßige Kontakte zu politischen Entscheidungsträgern, Auf-und Ausbau von Netzwerken unter der Meinungsführerschaft der Großvereine, ein ehrliches strategisches Konzept zur Positionierung des Vereins im Gemeinwesen und glaubwürdige Darstellung, steckte Pfeiffer als Orientierungsrahmen ab. Einmischen ohne maßlos und aufdringlich zu
wirken.
Klaus-Dieter Remberg, Vorsitzender des TV Jahn-Rheine, brachte Psychologie, Respekt und Vertrauensverhältnis ins Spiel. „Sportpolitiker sind nicht unbedingt die Fachleute der Fraktionen.“Die Entscheidungskompetenz liegt häufig bei Finanz-und Hauptausschüssen.
„In vielen Gemeinden ist der Sportausschuss ein Alibi-Ausschuss.“Sönke P. Hansen (VfL Pinneberg) glaubt: „Insgesamt sollten Politiker bei den Vereinen fast eine politische Schulung machen.“Nach Wahlperioden gelte es, den Sport alle vier Jahre neu zu erklären.
Da Nicht-Parteigänger aus den Vereinen selten -am ehesten in kleinen Dörfern -die Chance erhalten, in die Gremien zu gelangen, ist der Umweg über Sportkommissionen und Beiräte fruchtbar. Ein Drittel der 66 beim FK-Seminar präsenten Vereine beschreitet diesen Weg schon. Alexander Pfeiffer am Beispiel Darmstadt: „In der Sportkommission wird mittlerweile die eigentliche Sportpolitik gemacht.“(Diskussion des Haushalts, Verteilung
der Zuschüsse).
Einladungen zu Fraktionssitzungen in den Räumen des Vereins, Austauschrunden nach Fest-oder Mitgliederversammlungen sind hilfreich. Hansen: „Die Stunde danach, da wird Politik gemacht.“ Sachliche Darstellungen ohne Forderungen schaffen Vertrauen. Remberg: „Es gibt immer die Kontakte zwischen Sport und allen Politik-Bereichen, damuss der Sport Überzeugungsarbeit leisten.“Schnelligkeit und Flexibilität beim Entscheiden
und Handeln sowie Fachkompetenz sind Stärken des Vereinspersonals im kommunalen Umfeld.
Im Dialog sollte der Vorstand verantwortungsbewusst, geschlossen auftreten –kompetent, besonnen und verbindlich. Politik ist auch kein Olymp. Pfeiffer „Das sind wir. Wir sind Teil der Politik, das muss die Position sein, die wir einnehmen.“
Die Hamburger Erklärung stellt den Wert der Vereine für die Gesellschaft heraus: Gesundheit, Gemeinschaft/Solidarität, soziale Integration, ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung beim Nachwuchs, Bildung und Erziehung in Schule und Kindergarten, Wirtschaftsfaktor und Arbeitgeber, Wertschöpfung, Image und Identität, lauten die Passwörter
gedeihlicher Sozialarbeit und Lebensqualität.
Die Selbstverpflichtung im zweiten Teil verlangt von den FK-Vereinen: Gesicherte Präsens in Entscheidungsgremien. Verstärkte Akzeptanz in Kooperationen mit Politik und Wirtschaft. Regelmäßigen Kontakt mit Politikern. Geregelte Zuständigkeiten für den politischen
Dialog im Verein. Ein strategisches Konzept zur Positionierung im Gemeinwesen. Motor, Initiator und Hauptdarsteller im Netzwerk einer Kommune: „Dabei steht außer Frage, dass die jeweiligen Zuständigkeiten der Partner anerkannt werden. Vertrauensbildung stellt sich für alle Beteiligen als Daueraufgabe“, schließt das Papier.
Hans-Peter Seubert