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„Unsere Stärke ist, wir sind vom Föderalismus unabhängig.“ Den Maßstab
der Vorsitzenden Silvia Glander dokumentierte das dreitägige
Frühjahrseminar des Freiburger Kreises am zweiten Mai-Wochenende in
Göttingen. Dessen Leitmotiv hieß: „Kinder beleben den Verein –
Entwicklungen, Anforderungen, Lösungen“. Reichlich Praxisbeispiele
offenbarten: Die Arbeitgemeinschaft größerer deutscher Sportvereine ist
in der Kinderbetreuung den Entwicklungen in Schule und Kindergarten
einige Schritte voraus. Beispiel: die Freiburger Turnerschaft betreibt
als erster Klub in Deutschland eine vereinseigene Grundschule.
Beispiel: Seminar-Gastgeber ASC Göttingen unterhält ein
Kinderbewegungshaus, einen Sportkindergarten und hat sich mit flexibler
Schulkindbetreuung auf den Bedarf eingestellt. Rund 50 der 168
Mitgliedsvereine besitzen inzwischen Kindersportschulen oder
Sportkindergärten. FK-Vorstandsmitglied Wolfgang Heuckmann: „Wir wollen
zeigen, dass wir es besser können.“
Jörg Schnitzerling, Geschäftführender Vorsitzender des ASC Göttingen,
sieht trotz des großen Trägheitsmoments Bewegung im Schulsport: „Der
Druck wird größer“. Ärzte und Sportwissenschaftler und immer mehr
Eltern warnen vor den dramatischen gesellschaftlichen Risiken, die
Bewegungsmangel im Elementarbereich der Gesellschaft aufbürdet.
FK-Vorstandsmitglied Frank Kunert geht einen Schritt weiter. „Das
Zusammenspiel von Schule und Verein wird ein ganz anderes werden
müssen.“ Unterricht in den Schulen und außerhalb der Schulzeit verlangt
mehr Flexibilität von beiden Seiten. Vereinstrainer, Übungsleiter und
Betreuer gewinnen mit Blick auf die Ganztagsschule (Bewegte Schule,
tägliche Bewegungszeit) mehr Gewicht. Für Großvereine eine Chance.
Obwohl diese die Kultuspolitiker nicht aus der Verantwortung nehmen und
sich nicht als Reparaturwerkstatt des Schulsports begreifen.
Liesel Westermann, im Kultusministerium Niedersachsens für den
Elementarbereich verantwortlich, berichtete einerseits von ermutigenden
Impulsen für die Bewegte Schule. So wurden Lehrkräfte im
Grundschulbereich per Erlass zur täglichen Bewegungszeit angehalten.
Mit der Fitnesslandkarte Niedersachsen wurde im Internet
www.mk.niedersachsen.de eine umfangreiche Datenbank (3200 Schulen und
die Aussagen von 500 000 Kindern sind erfasst) aufgebaut. Diese liefert
Lehrkräften und Schülern eine Fülle von Daten, Statistiken und Grafiken
über Bewegungsangebote in der Schullandschaft, Leistungsparameter,
Sportanlagen und Kooperationen Schule und Verein. Bewegungscheck und
Fitnesstest gehören dazu. Für Pädagogen wie Schüler Anreiz und
Motivation, ihre Leistungsbilanz auszuloten. Doch ist diese Infobörse
vielen Schulen und Kindern unbekannt. Kommunikations- und
Vermittlungsprobleme gehören zum Alltag. Liesel Westermann gab zu, dass
Lehrer nicht zur Fortbildung gezwungen werden können.
Ingo-Rolf Weiss, der Vorsitzende der Deutschen Sportjugend (dsj), sieht
die Fitnesslandkarte vorbildlich für alle 16 Bundesländer. Das Problem
der dsj, die im Schulsport aktiv ist: Das föderale Korsett zwickt bei
vielen Projekten. Weiss erwartet hier von den FK-Vereinen mehr
Lobbyarbeit für den Elementarbereich vor Ort, sowie Unterstützung von
dsj-Projekten vor Ort. Umgekehrt ermunterte er die FK-Vereine, eigene
Projekte zu entwickeln, die dann von der Sportjugend auch finanziell
gefördert werden können.
Am Beispiel des Freiwilligen Sozialen Jahres wurde der Rückstand des
Sports offenbar: Von 15 000-FSJ-Stellen sind lediglich 100 Sport
beheimatet. Weiss möchte das ändern.
Einen reizvollen Einblick ist das Kinderbetreuungsprogramm des Robinson
Clubs gab Hans Schaefer, Leiter der „Abteilung Kinder, Jugend
&Familie. Der Reiseveranstalter für gehobene Ansprüche betreut im
Jahr etwa 50 000 Kinder. 70 Prozent der Klientel sind Stammgäste.
Schaefer: „Zwei Drittel der Kinder bestimmen den Urlaub.“ Das Leitmotiv
der Robinson-Welt heißt: „Wir wollen Kinder begeistern“. Im Gegensatz
zu vielen Sprösslingen in den Schulen, ist der Club-Nachwuchs
sportbegeistert. Das Angebot reicht von Sportkursen über
Bewegungs-Events bis zu Wellness-Offerten. Umfragen und Stichproben bei
den Kunden helfen, schnell auf aktuelle Trends und Erwartungen zu
reagieren.
Ein professioneller Filter, mit Fragebogen, Interviews und Castings,
wird bei der Auswahl der Mitarbeiter eingesetzt. Multi-Präsens und
Multi-Task werden verlangt: Sport-Betreuer in den Clubs müssen
vielseitig arbeiten können und hochmotiviert sein. Entweder sie genügen
den professionellen Maßstäben oder sie erhalten keinen Vertrag.
Die medizinische Würze beim Frühjahrseminar streute Professor Klaus
Völker ein, Direktor des Instituts für Sportmedizin im
Universitätsklinikum Münster. Er diskutierte unterhaltsam die Frage:
Der Mensch: Bewegungswesen oder Kopfwesen mit körperlichem Anhang?
„Bewegungsverhalten ist stärker genetisch determiniert als angenommen.“
Schule und Schulsport kommt hier eine zentrale Rolle zu. Lediglich noch
acht Prozent der Berufe verlangen körperliche Aktivität. Ein
Normalsterblicher bewegt sich heute 400 bis 700 Meter am Tag. Gesund
wären bis zu 8000 Schritte. Der Urmensch lief täglich 20 bis 40
Kilometer.
Schon die Verbrennung von 350 Kilokalorien mehr- etwa durch tägliche
Bewegungszeit in der Schule und im Sport - spart im Jahr bis zu 15
Kilogramm Gewicht.
Bewegte Schule, damit regelmäßige körperliche Aktivität, steigert die
Lernleistung, fördert die Konzentration, baut Aggressionen ab und
bekämpft das Übergewicht bei Kindern. Völker: „Die kognitive Leistung
verbessert sich durch sportliche Aktivität. Mehr körperliche Aktivität
im Kindesalter überträgt sich ins Erwachsenenalter."
Hans-Peter Seubert
Programm (Stand: 25.3.2006) (233.73 KB)
Programm für Begleitpersonen (16.09 KB)
Informationen zum Seminar (44.45 KB)
Informationen zum Sportökonomie-Kongress der DSHS Köln (34.99 KB)
Bildergalerie:
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