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Mai 2006 in Göttingen

„Unsere Stärke ist, wir sind vom Föderalismus unabhängig.“ Den Maßstab der Vorsitzenden Silvia Glander dokumentierte das dreitägige Frühjahrseminar des Freiburger Kreises am zweiten Mai-Wochenende in Göttingen. Dessen Leitmotiv hieß: „Kinder beleben den Verein – Entwicklungen, Anforderungen, Lösungen“. Reichlich Praxisbeispiele offenbarten: Die Arbeitgemeinschaft größerer deutscher Sportvereine ist in der Kinderbetreuung den Entwicklungen in Schule und Kindergarten einige Schritte voraus. Beispiel: die Freiburger Turnerschaft betreibt als erster Klub in Deutschland eine vereinseigene Grundschule. Beispiel: Seminar-Gastgeber ASC Göttingen unterhält ein Kinderbewegungshaus, einen Sportkindergarten und hat sich mit flexibler Schulkindbetreuung auf den Bedarf eingestellt. Rund 50 der 168 Mitgliedsvereine besitzen inzwischen Kindersportschulen oder Sportkindergärten. FK-Vorstandsmitglied Wolfgang Heuckmann: „Wir wollen zeigen, dass wir es besser können.“
Jörg Schnitzerling, Geschäftführender Vorsitzender des ASC Göttingen, sieht trotz des großen Trägheitsmoments Bewegung im Schulsport: „Der Druck wird größer“. Ärzte und Sportwissenschaftler und immer mehr Eltern warnen vor den dramatischen gesellschaftlichen Risiken, die Bewegungsmangel im Elementarbereich der Gesellschaft aufbürdet.
FK-Vorstandsmitglied Frank Kunert geht einen Schritt weiter. „Das Zusammenspiel von Schule und Verein wird ein ganz anderes werden müssen.“ Unterricht in den Schulen und außerhalb der Schulzeit verlangt mehr Flexibilität von beiden Seiten. Vereinstrainer, Übungsleiter und Betreuer gewinnen mit Blick auf die Ganztagsschule (Bewegte Schule, tägliche Bewegungszeit) mehr Gewicht. Für Großvereine eine Chance. Obwohl diese die Kultuspolitiker nicht aus der Verantwortung nehmen und sich nicht als Reparaturwerkstatt des Schulsports begreifen.
Liesel Westermann, im Kultusministerium Niedersachsens für den Elementarbereich verantwortlich, berichtete einerseits von ermutigenden Impulsen für die Bewegte Schule. So wurden Lehrkräfte im Grundschulbereich per Erlass zur täglichen Bewegungszeit angehalten. Mit der Fitnesslandkarte Niedersachsen wurde im Internet www.mk.niedersachsen.de eine umfangreiche Datenbank (3200 Schulen und die Aussagen von 500 000 Kindern sind erfasst) aufgebaut. Diese liefert Lehrkräften und Schülern eine Fülle von Daten, Statistiken und Grafiken über Bewegungsangebote in der Schullandschaft, Leistungsparameter, Sportanlagen und Kooperationen Schule und Verein. Bewegungscheck und Fitnesstest gehören dazu. Für Pädagogen wie Schüler Anreiz und Motivation, ihre Leistungsbilanz auszuloten. Doch ist diese Infobörse vielen Schulen und Kindern unbekannt. Kommunikations- und Vermittlungsprobleme gehören zum Alltag. Liesel Westermann gab zu, dass Lehrer nicht zur Fortbildung gezwungen werden können.
Ingo-Rolf Weiss, der Vorsitzende der Deutschen Sportjugend (dsj), sieht die Fitnesslandkarte vorbildlich für alle 16 Bundesländer. Das Problem der dsj, die im Schulsport aktiv ist: Das föderale Korsett zwickt bei vielen Projekten. Weiss erwartet hier von den FK-Vereinen mehr Lobbyarbeit für den Elementarbereich vor Ort, sowie Unterstützung von dsj-Projekten vor Ort. Umgekehrt ermunterte er die FK-Vereine, eigene Projekte zu entwickeln, die dann von der Sportjugend auch finanziell gefördert werden können.
Am Beispiel des Freiwilligen Sozialen Jahres wurde der Rückstand des Sports offenbar: Von 15 000-FSJ-Stellen sind lediglich 100 Sport beheimatet. Weiss möchte das ändern.

Einen reizvollen Einblick ist das Kinderbetreuungsprogramm des Robinson Clubs gab Hans Schaefer, Leiter der „Abteilung Kinder, Jugend &Familie. Der Reiseveranstalter für gehobene Ansprüche betreut im Jahr etwa 50 000 Kinder. 70 Prozent der Klientel sind Stammgäste. Schaefer: „Zwei Drittel der Kinder bestimmen den Urlaub.“ Das Leitmotiv der Robinson-Welt heißt: „Wir wollen Kinder begeistern“. Im Gegensatz zu vielen Sprösslingen in den Schulen, ist der Club-Nachwuchs sportbegeistert. Das Angebot reicht von Sportkursen über Bewegungs-Events bis zu Wellness-Offerten. Umfragen und Stichproben bei den Kunden helfen, schnell auf aktuelle Trends und Erwartungen zu reagieren.
Ein professioneller Filter, mit Fragebogen, Interviews und Castings, wird bei der Auswahl der Mitarbeiter eingesetzt. Multi-Präsens und Multi-Task werden verlangt: Sport-Betreuer in den Clubs müssen vielseitig arbeiten können und hochmotiviert sein. Entweder sie genügen den professionellen Maßstäben oder sie erhalten keinen Vertrag.
Die medizinische Würze beim Frühjahrseminar streute Professor Klaus Völker ein, Direktor des Instituts für Sportmedizin im Universitätsklinikum Münster. Er diskutierte unterhaltsam die Frage: Der Mensch: Bewegungswesen oder Kopfwesen mit körperlichem Anhang? „Bewegungsverhalten ist stärker genetisch determiniert als angenommen.“ Schule und Schulsport kommt hier eine zentrale Rolle zu. Lediglich noch acht Prozent der Berufe verlangen körperliche Aktivität. Ein Normalsterblicher bewegt sich heute 400 bis 700 Meter am Tag. Gesund wären bis zu 8000 Schritte. Der Urmensch lief täglich 20 bis 40 Kilometer.
Schon die Verbrennung von 350 Kilokalorien mehr- etwa durch tägliche Bewegungszeit in der Schule und im Sport - spart im Jahr bis zu 15 Kilogramm Gewicht.
Bewegte Schule, damit regelmäßige körperliche Aktivität, steigert die Lernleistung, fördert die Konzentration, baut Aggressionen ab und bekämpft das Übergewicht bei Kindern. Völker: „Die kognitive Leistung verbessert sich durch sportliche Aktivität. Mehr körperliche Aktivität im Kindesalter überträgt sich ins Erwachsenenalter."

Hans-Peter Seubert

iconProgramm (Stand: 25.3.2006) (233.73 KB)

iconProgramm für Begleitpersonen (16.09 KB)

iconInformationen zum Seminar (44.45 KB)

iconInformationen zum Sportökonomie-Kongress der DSHS Köln (34.99 KB)

 

Bildergalerie:

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