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EU-Sprechstunde in Frankfurt

eu-sprechstundeFK-Vorstandsmitglied Ralf Kamp vom TV Jahn Rheine als Experte dabei
Viel Bürokratie bei Förder-Projekten schreckt ab

Bei der EU-Sprechstunde am 26. Juni 2007 in der Commerzbank Arena in Frankfurt nutzten etwa 60 Fachverbände und Sportorganisationen, darunter auch der Freiburger Kreis (FK) die Gelegenheit, sich von Fachleuten über Programme informieren zulassen, bei denen auch der organisierte Sport mit Projekten vor allem finanziell partizipiert.

icon Broschüre der EU-Sprechstunde (1.13 MB)

Das freie Beratungsangebot mit acht Fachleuten aus Sportorganisationen und nationalen EU-Programm-Agenturen wurde veranstaltet vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und dem Bundesinnenministerium (BMI) zum Abschluss der deutschen EU-Ratspräsidentschaft. Die eintägige „Messe und Infobörse“ (DOSB Generaldirektor Michael Vesper) bildete den dritten Baustein nach dem Europaabend des deutschen Sports in Brüssel sowie der Initiative „Europas(S)Meister.“ Bei dieser Demo präsentierten sich alle 16 Landesportbünde binnen 16 Wochen mit speziellen Projekten zum Vereinssport, Integration, Gesundheit und Sportentwicklung.

Der Leiter des DOSB-Büros in Brüssel, Thilo Friedmann, berichtete: „Es gibt an die 400 Programme, an die die EU Gelder gibt.“ Der Parlamentarische Staatssekretär im BMI, Christoph Bergner, wusste, dass in den Fördertöpfen der EU von 2007 bis 2013 etwa 21 Milliarden Euro in den Strukturfonds schlummern, aus denen Vereine und Verbände schöpfen können: „ Der Sport kann partizipieren aus der Vielfalt der Programme. Die Chance an eines der vielen Programme anzudocken, das ist das eigentliche Kunststück.“ Bergner: „Das Thema Bürokratie stellt sich für die Basis des Sports, die an die EU-Fördertöpfe möchte. Da hilft eben nur Aufklärung.“ DOSB-Generaldirektor Michael Vesper schlug in die gleich Kerbe: „Das ist unstreitig ein Problem.“ Dennoch ermutigte er die Mitgliedsorganisationen bis hinunter in die Sportkreise, Stadtsportbünde und Vereine mit ideenreichen Konzepten und Fantasie eigene Projekte unterzubringen: „Wer diese Mittel liegen lässt, ist selber schuld.“

Bei der EU-Sprechstunde wurden Jugendförderung, das Comenius-Bildungsprogramm, die nationale Agentur Bildung für Europa, Europäische Strukturfonds (Sportstätten-Förderung) und Beschäftigungsprogramme vorgestellt.
Pia Pauly, Abteilungsleiterin des Bereichs Breitensport im Deutschen Turnerbund ( DTB) bedauerte, dass der Bereich Public Health (öffentliche Gesundheit), für den der DTB ein Förderprojekt plant nicht vertreten war: „Die haben Gesundheit überhaupt noch nicht im Blick.“ Im Europa der Bürger, das mühsam mit viel politischer und finanzieller Power auf den Weg gebracht werden soll, spielen die Vereine, und gerade die Sportvereine schon seit über drei Jahrzehnten eine Schlüsselrolle.

Partnerschaften und Austauschprogramme über Landesgrenzen hinweg waren ein Stück gelebte europäische Gemeinschaft, längst bevor die politischen Verträge unter Dach und Fach kamen.

Obwohl der Sport in den Europäischen Verträgen - größte Bürgerinitiative der EU stiefmütterlich behandelt wird und keinen expliziten Passus besitzt (nicht einmal vorkommt), sieht Bergner genug Anlässe, sich der europäischen Dimension der Sports zuzuwenden. Er spricht gar von Chancen „für eine eigene Budget-Linie bei der EU-Kommission für die Belange des Sports.“ Das würde mehr Transparenz schaffen für Programme, Projekte und Antragsteller.

Ralf Kamp, stellvertretender Vorsitzender des Freiburger Kreises (FK) bilanzierte als Experte und Antragsteller einerseits den praktischen Nutzen der EU-Sprechstunde in Frankfurt. „Wir sind die Anträge richtig Punkt für Punkt durchgegangen.“ Andererseits wusste er ein Lied von den abschreckenden bürokratischen Hürden zu singen, die sich auftürmen und viele resignieren lassen. Neben dem Hindernislauf durch das Genehmigungs-Verfahren ist ein hoher Teil von Eigenleistungen der Antragsteller erforderlich. Kamp: „Ich hoffe, dass sich all das irgendwann mal in konkreten Projekten niederschlägt.“ Der Geschäftsführer des TV Jahn-Rheine Mitgliedsverein im FK, sammelt seit acht Jahren Erfahrungen mit dem Aktionsprogramm Europäischer Freiwilligendienst, vergleichbar mit dem Freiwilligen Sozialen Jahr in Deutschland, das auch Sportvereine nutzen. In sieben Jahren beschäftigte Rheine acht Leute aus vier Nationen jeweils für 10 bis 12 Monate. Diese Volonteers sammelten vor allem im Bereich Kinder- und Jugendarbeit Praxis-Erfahrung in einem deutschen Sportverein.

Der FK selbst hatte sich vor zwei Jahren um ein Netzwerk von Breitensportvereinen in der EU bemüht. Kamp, der die Projektanträge betreute: „Wir sind nicht genommen worden. Der Antrag wurde nicht bewilligt.

“Dennoch schätzt er die Erfahrung im mühsamen Geschäft positiv ein: „Wir sind sehr weit gekommen. Im Prinzip war das lehrreich. Es ist ein positives Fazit. Jetzt haben wir schon Erfahrung mit dem Verfahren und wissen wie es geht“, mag er die Finte nicht ins Korn werfen. Mit diesem Hintergrund und angesichts der beträchtlichen Fördersumme, damals ging es rund 200 000 Euro im EU-Fördertopf für dieses Breitensport-Netzweck, sagt Kamp: „Da kann man schon mal ein, zwei Anläufe machen.“ Pia Pauli weiß neben den vielen bürokratischen Pferdefüßen um weitere Handikaps bei der Projekt-Förderung: Der hohe Eigenanteil der Verbände. Die Suche nach Europäischen Partnern, die das gleiche Anliegen haben und verfolgen. Der Deutsche Turnerbund (DTB), einer der größten Fachverbände im DOSB, hat bisher kein einziges EM-Projekt in der Förderung. In der Pipeline, so Pia Pauly, ist nun das Projekt M.o.b.l.i.s Light, ein Trainingskonzept für Leichtübergewichtige) das im Februar anlief - in bisher 100 Vereinen (300 Übungsleiter/innen) und das Pia Pauly gerne international auflegen würde in der EU.

Von Hans-Peter Seubert

 

Bericht aus der Münsterländischen Volkszeitung vom 2.7.07

TV Jahn-Rheine bewegt sich auf europäische Bühne

Frankfurt. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hatte am vergangenen Mittwoch anlässlich der EU-Ratspräsidentschaft erstmals zu einer „EU-Sprechstunde“ eingeladen. Vertreter aus ganz Deutschland waren dem Ruf gefolgt, um sich von insgesamt 10 Experten zu verschiedenen sportrelevanten EU-Themen beraten zu lassen. Unter den Experten war auch der Geschäftsführer des TV Jahn-Rheine, Ralf Kamp, der den interessierten Sportfunktionären über die Möglichkeiten des europäischen Freiwilligendiensts in einem Sportverein erläuterte. „Wir nehmen als einziger Sportverein in Deutschland bereits seit 7 Jahren junge „Europäer“ bei uns auf, die uns in unserem Kinder- und Jugendprogramm erfolgreich unterstützen. Nun sind viele Großsportvereine und Sportverbände daran interessiert zu erfahren, wie solche EU-Projekte in die Tat umgesetzt werden“, erklärt Ralf Kamp die Einladung des TV Jahn zur EU-Sprechstunde.

Zurzeit ist mit Zoltan Stummer der 20jährige ungarischer Judoka ist seit August 2006 beim jahn. Er wird neben der Kindersportschule und dem betreuten Spielgruppen auch im Judobereich eingesetzt. Davor konnte der Italiener Francesco De Laurentiis 10 Monate lang als Tennisspieler seine Stärken auch in der Tennisabteilung mit einbringen. Durch sein breites Angebot kann der TV Jahn die Freiwilligen also entsprechend ihrer Stärken Schwerpunkte setzen, was auch in der EU-Sprechstunde von vielen Verbandsvertretern als Pluspunkt gesehen wird. Ralf Kamp betont aber, dass es sich nicht um „internationale“ Trainer handelt: „Alle Freiwilligen werden immer als Ergänzung zu unseren Fachübungsleitern und pädagogischen Mitarbeitern eingesetzt. Sie sollen mit ihrem „internationalen“ Blickwinkel unsere Mitarbeiter unterstützen und Teil unseres prämiertes Kinder- und Jugendkonzept sein. Sie ergänzen also unsere qualifizierten Fachkräfte, ersetzen sie aber nicht.“

Gefördert wird der europäischen Freiwilligendienst von dem EU-Programm JUGEND in Aktion. Dabei entsteht für den TV Jahn zwar ein Arbeitsaufwand bei der Recherche der Freiwilligen, Stellung der Anträge, usw. Der finanzielle Aufwand für Unterbringung, Verpflegung, usw. ist durch die Förderung aber sehr gering. Sogar ein Taschengeld für den Freiwilligen wird von der EU bezahlt.

Die EU-Sprechstunde, die vom Generaldirektor des DOSB, Dr. Michael Vesper, eröffnet wurde, wurde von dem EU-Büro des DOSB in Brüssel organisiert. Eine Kontaktstelle, die Ralf Kamp sehr zu schätzen weiß: „Wer sich mit EU-Maßnahmen und EU-Fördermitteln auseinandersetzt, benötigt gute Partner. Die Agentur „Jugend für Europa“ unterstützt uns z.B. bei den Formularen zum Freiwilligendienst hervorragend. Darüber hinaus ist für uns das EU-Büro des DOSB in Brüssel ausgesprochen wertvoll, da sie immer ansprechbereit und – was uns als Praktiker bei Verbänden so wichtig ist – immer eine sehr praxisrelevante Unterstützung anbieten. Solche motivierten und kompetenten Stellen müsste es im deutschen Sport viel mehr geben. Vor allem bei solchen Zukunftsthemen wie den Fördermöglichkeiten von Sportvereinen in der Europäischen Union.“

Weitere Informationen zum EU-Programm JUGEND in Aktion, bei der auch junge Menschen aus Deutschland für 3-12 Monate ins Ausland gehen können, erhält man unter www.jugendfuereuropa.de oder www.go4europe.de. Bei Fragen zum Kinderprogramm des TV Jahn-Rheine kann man sich auf www.tvjahnrheine.de oder telefonisch unter 97 49 0 informieren lassen.

 

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